Papiermaché, Pappmaché bzw. Pappmaschee – ein Werkstoff aus Papier und Bindemittel
Ist eine Technik, die schon seit vielen Jahrhunderten bekannt ist und in vielen Bereichen eingesetzt wird. Ursprünglich stammte sie aus dem asiatischen Raum und in Europa ist sie ca. seit dem 15.Jahrhundert bekannt. Es wurden Reliefs, Puppen, Wanddekorationen daraus hergestellt, heute wird sie im Modellbau und künstlerischen Bereich häufig eingesetzt.
Es gibt grundsätzlich 2 Möglichkeiten, mit Pappmaché zu arbeiten:
- Formen mit Papierbrei - auch Pulpe genannt
- Kaschieren
1. Pappmaché (Papier-Masse)
Um Pappmaché herzustellen, braucht man zerkleinertes Papier. Am häufigsten nimmt man Zeitungspapier, aber auch andere faserige Papiersorten sind gut geeignet: Servierten, Küchenpapier, Eierkartons… Man kann auch farbige Papiersorten (wie Tonpapier) verwenden, um eine farbige Pulpe herzustellen. Ich verwende am liebsten zerschreddertes Büropapier, da man sich dann die Arbeit mit dem zerkleinern spart. Dieses Papier wird mehrere Stunden im Wasser eingeweicht, eventuell kurz aufgekocht. Danach wird es mit einem Stabmixer gründlich zerkleinert. Überschüssiges Wasser wird aus der Masse herausgedrückt, z.B. durch einen Lappen gepresst. Danach wird Kleister hinzugefügt und durch ordentliches Kneten homogen gemacht. Fertige Modeliermasse fühlt sich ähnlich geschmeidig wie Ton an. Oft werden auch andere Materialien, wie Kreide, Gips, Sägespäne als Füllmittel beigemischt …
Solche Pulpe eignet sich um Plastiken herzustellen. Man kann aber damit nicht massiv arbeiten, das heißt „der Kern“ der Skulptur – also das Gerüst - sollte aus anderen Materialien gebaut werden, z.B. Draht, Styropor, zerknuddeltes Zeitungspapier, oder verschiedene Gegenstände. Darauf wird diese Pulpe in einer 1-2 cm Schicht aufgetragen, Oberfläche kann man mit etw. Kleister und einem Messer ein bißchen glätten. Nach dem Trocknen schrumpft die Masse, was sich durch Unebenheiten auf der Oberfläche bemerkbar macht. Man kann sie durch neues Auftragen von frischer Pulpe wieder etwas korrigieren. Durchtrocknen der Skulptur dauert je nach Schichtdicke mehrere Tage. Dann kann man sie weiter ähnlich wie Holz weiterbearbeiten durch Segen, Schleifen, Schnitzen… Meist wird die Skulptur noch bemalt, oder anders oberflächig gestaltet. Die Möglichkeiten sind grenzenlos…
Der Vorteil dieser Papierobjekte ist, daß sie leicht und trotzdem sehr stabil sind. Leider aber nur im Innenbereich verwendbar, da sie nicht dem Regen auf Dauer widerstehen würden. Selbst, wenn sie durch Farbauftrag und Lackschicht geschützt sind, würden sie nach einer Zeit durch Feuchtigkeit beschädigt werden.
Der Nachteil dieser Technik ist der hohe Zeitaufwand. Es sind meist einige Etappen notwendig um ein Werk zu zaubern und man muß auch ausreichend Trocknungszeit einplanen. Also nichts für ungeduldige Künstler und Bastler:)
2. Kaschiertechnik - Kasché
- hierbei arbeitet man mit Papierfetzen, die man in vielen Lagen mit einem flachem Pinsel und Kleister übereinander klebt – kaschiert. Diese Papierschichten werden auf eine vorher mit Trennmittel behandelte Form aufgetragen. Das einfachste Beispiel ist den meisten schon seit der Kindergartenzeit vertraut: Einen Luftballon abformen.
Diese Technik eignet sich z.B. um Masken herzustellen. Sie erfordert eine nicht so lange Trockenzeit wie Pulpe, aber auch viel Gedult. Das Ergebnis ist noch leichter und dünnwandiger.
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Mein Pappmaché:
Meine Bespiele für die Arbeit mit Papierbrei finden sie z.B. in der Galerie Wesen. Diese Plastiken sind mit Pulpe kreiert, die auf einem aufwendig hergestellten Gerüst aus Karton, Styropor und Draht haftet. Diese Werke sind anschließend mit Acrylfarben in mehreren Schichten bemalt.
Bei der Tyrkisia wurde die obere türkise Farbschicht teilweise abgeschliffen um die untere- ockerfarbige durchscheinen zu lassen. Die Kugeln in der Frisur wurden mit Blattgold vergoldet.
Kaschieren wende ich meist bei den Torsos und Masken an. Hierbei benötigt man einen Gipsabdruck des Körperteils, oder Gesichts als Form-Vorlage, die ich dann aber zu meinem Zweck meistens noch verfremde. Manchmal forme ich Torsos auch direkt auf einem realem Körper ab. Bei Gesichtern ist dies natürlich nicht möglich. Die meisten dieser Objekte bemale ich nicht, sondern verwende für die oberste Schicht hochwertige Naturpapiere in verschiedenen Erd- und Grüntonen. Oft kommen bei einem Kunstwerk beide oben beschriebenen Techniken zum Einsatz.
Zeitaufwand:
Für die Herstellung einer dekorativen Maske, die als Wandobjekt gedacht ist, benötige ich. 9-15 Stunden reiner Arbeitszeit. Plastik aus Pulpe, wie z.B. Galaktikus, nimmt bis zu 18 Stunden Arbeitszeit in Anspruch.
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Dies war nur ein Kurzeinblick in diese vielseitige Technik, von der ich auch seit 3 Jahren begeistert bin. Es gibt unzählige Pulpenrezepte und Bastellanleitungen im Internet für die, die es ausprobieren wollen. Falls Sie gute Fachliteratur zu dem Thema suchen, empfehle ich z.B. :
1. Helga Meyer – Papiermachè (Ideen und Techniken für kreatives Gestalten) – viele Arbeitsanleitungen, sehr gut illustriert und beide Techniken ausführlich vorgestellt.
2. Nives Čičin-Šain: "Papiermaché auf meine Art "– eine kroatische Künstlerin stellt eine von Ihr weiterentwickelte Papiermaché Technik vor - ein kleines Buch mit großer Wirkung!

